Der Tod Ludwigs XVI.
Nach dem Vorbild der Madame Tussaud wurden „lebensechte“ Wachsfiguren Robespierres und Ludwigs XVI im 19. Jahrhundert angefertigt und zur Schau gestellt. Die beiden hier abgebildeten Wachsfiguren standen ursprünglich in „Castans Panopticum“ in Berlin, heute befinden sie sich im Privatbesitz (München).
Die Hinrichtung Ludwigs XVI. am 21. Januar 1793 auf der heutigen Place de la Concorde und anschließende Bestattung in einem Massengrab auf dem Pariser Madeleine-Friedhof zählt zu den bekanntesten Ereignissen der französischen Revolution und hat die französische Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Vor kurzem noch hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron davon gesprochen, dass der gewaltsame Tod des Königs unter der Guillotine ein Trauma verursacht habe, von dem sich die Franzosen seither nie ganz erholt hätten.
Im Rahmen eines größeren Forschungsvorhabens wird derzeit auf der Basis der Auswertung einer Vielzahl von Quellen das „Nachleben“ des 21. Januar 1793 in gedruckten und ungedruckten (ikonographischen) Zeugnissen untersucht. In diesem Kontext steht insbesondere auch die Frage nach dem erinnerungspolitischen Umgang mit dem Königstod und den revolutionären Massenhinrichtungen in der Zeit der Restauration im Vordergrund.
Publikationen
Gudrun Gersmann, Von toten Herrschern und Trauerzeremonien. Die Überführung der sterblichen Überreste Ludwigs XVI. nach Saint-Denis 1815, in: Dieter Boschung Karl-Joachim Hölkeskamp, Claudia Sode (Hg.), Raum und Perfomanz. Rituale in Residenzen von der Antike bis 1815, Stuttgart 2015, S. 333-354.
Gudrun Gersmann, Ein König ohne Grab: Was geschah mit dem Leichnam Ludwigs XVI.? Versuch einer Rekonstruktion, in: Christina Schröer, Peter Hoeres, Armin Owzar (Hg.), Herrschaftsverlust und Machtverfall, München 2013, S. 181-192.
Gudrun Gersmann, Le Roi est mort, vive la Révolution, vive Marat. Anmerkungen zum Gebrauch der Effigies in Frankreich von der Frühen Neuzeit bis zur Französischen Revolution, in: Christine Roll, Frank Pohle, Matthias Myrczek (Hg.), Grenzen und Grenzüberschreitungen. Bilanz und Perspektiven der Frühneuzeitforschung, Köln 2010, S. 313-332.
