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Aktuelle Projekte

Foundations of “Race”: Awareness, Memory, Education, Scholarship

Finanzierung: EU-Citizens, Equality, Rights and Values Programme (CERV) 
Projektlaufzeit: Nov. 2026–Okt. 2028
Partner: Università degli studi di Torino (Coordindator), Museo storico italiano della guerra, Universidad Rey Juan Carlos, Fondazione Luigi Firpo, Museum der Völker

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Jahrestage der Nürnberger Gesetze (1935–2025) und der italienischen Rassengesetze (1938–2028) mit dem Ziel, das Verständnis dafür zu vertiefen, wie rassistische Ideologien in der europäischen Gesellschaft und im Recht verankert waren und letztendlich zum Holocaust führten.

Während der Holocaust-Gedenktag die Erinnerung an den Völkermord wachhält, werden die intellektuellen, kulturellen und rechtlichen Wurzeln, die ihn ermöglichten, oft nur unzureichend verstanden oder nur bruchstückhaft vermittelt.

Dieses Projekt schließt diese Lücke, indem es wissenschaftliche Forschung, Bildung und öffentliche Geschichtsvermittlung miteinander verbindet. Es zeichnet die Genealogie des „Rassen“-Begriffs nach – von frühneuzeitlichen Klassifikationen über Debatten der Aufklärung und die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts bis hin zur Rassenpolitik der 1930er Jahre – und bietet dabei eine kontinuierliche Erzählung anstelle isolierter Momentaufnahmen.

Durch Hochschulseminare, Fortbildungsprogramme für Lehrkräfte, Schülerworkshops und eine viersprachige Wanderausstellung setzt das Projekt wissenschaftliche Erkenntnisse in pädagogische Praxis und öffentliches Engagement um. Es entwickelt Instrumente zur Faktenprüfung und zur Bekämpfung von Leugnung, vermittelt Lehrkräften evidenzbasierte Methoden und fördert das kritische Denken sowie das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein der Schüler.
 

Weltsichten und Arbeitswelten

Politische Vorstellungen in Care-Berufen seit 1945

Beschäftigte in Care-Berufen übernehmen zentrale Aufgaben der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge. Alten- und Krankenpfleger*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen und andere Beschäftigte in personenbezogenen Dienstleistungen arbeiten mit Menschen in oftmals vulnerablen Lebenssituationen und tragen damit wesentlich zu sozialem Zusammenhalt, Teilhabe und demokratischer Kultur bei. Zugleich sind ihre Tätigkeiten von normativen Vorstellungen über Menschenwürde, Gerechtigkeit, Fürsorge und gesellschaftliche Verantwortung geprägt. Dennoch ist bislang wenig darüber bekannt, wie Angehörige dieser Berufsgruppen nach 1945 politische Fragen wahrnahmen, diskutierten und in ihrem beruflichen Alltag verhandelten. 

Das Projekt untersucht daher politische Vorstellungen in Care-Berufen mit einem Schwerpunkt auf der Zeitgeschichte nach 1945. Im Mittelpunkt stehen Berufsgruppen, deren Arbeit durch Interaktion mit Menschen sowie die Unterstützung vulnerabler oder marginalisierter Gruppen gekennzeichnet ist. Gefragt wird nach den politischen Weltbildern, Wertvorstellungen und dem Staatsverständnis derjenigen, die in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Heimen oder sozialen Diensten tätig waren. Welche Vorstellungen von Staat, Gesellschaft und sozialer Gerechtigkeit vertraten sie? Wie diskutierten sie Fragen von Menschenwürde, Toleranz und Teilhabe? Welche Rolle spielten rassistische, antisemitische oder auch antidemokratische Deutungsmuster? Wie wirkten Gewerkschaften, Berufsverbände oder Fachzeitschriften als Orte politischer Meinungsbildung? 

Während die Forschung für die Zeit vor 1945 zahlreiche Erkenntnisse zu politischen Einstellungen in Pflege-, Fürsorge- und Erziehungsberufen vorgelegt hat, bleibt die Nachkriegszeit bislang vergleichsweise wenig untersucht. Dabei bietet gerade dieser Zeitraum wichtige Anknüpfungspunkte. Erstens eröffnet die Perspektive neue Zugänge zur Demokratiegeschichte, da demokratische Werte nicht nur in Parlamenten und Parteien ausgehandelt werden, sondern auch in den alltäglichen Beziehungen zwischen Professionellen und den von ihnen betreuten Menschen. Zweitens waren Care-Berufe unmittelbar von den ideologischen Konflikten des Kalten Krieges, den gesellschaftlichen Transformationen nach 1989 sowie den Debatten um Sozialstaat und Wohlfahrt betroffen. Drittens ermöglicht die Untersuchung neue Einsichten in den Umgang mit Nationalismus, Rechtsextremismus und demokratiefeindlichen Einstellungen innerhalb gesellschaftlicher Praxisfelder. Das Projekt verbindet drei Forschungsfelder miteinander: die Geschichte von Pflege, Bildung und Erziehung, die Geschichte von Arbeitswelt und beruflichen Interessenvertretungen sowie die Geschichte politischer Kultur und politischer Bewegungen. Ziel ist es, Care-Berufe als gesellschaftliche Akteur*innen in politischen Auseinandersetzungen in der Bundesrepublik zu bewerten.

Erste Ergebnisse des Projekts wurden auf der European Social Science History Conference im März 2025 in Leiden präsentiert. Am 3. und 4. Juli 2025 fand an der Universität zu Köln die Tagung „Weltsichten und Arbeitswelten. Politisches Denken in Care-Berufen seit 1945“ statt. Die Tagung wurde in Kooperation mit Dr. Pierre Pfütsch vom Institut für Geschichte der Medizin organisiert. Die Beiträge werden mit finanzieller Unterstützung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln als Open-Access-Sammelband im transcript Verlag erscheinen.

Buchprojekt Cultural History of old Age

Mit dem sechs Bände umfassenden Werk “A Cultural History of Old Age” wird erstmals eine umfassende internationale Geschichte des Alterns von der Antike bis zur Gegenwart geschaffen. Gemeinsam mit Benoît Majerus gebe ich den sechsten Band “The Modern Age” heraus und trage das Kapitel “Old Age, Gender, and the Life Course” bei.
Der Text analysiert die Geschichte des Alterns im 20. und 21. Jahrhundert, indem er die Entwicklung der Lebenserwartung, die Veränderungen in der Wahrnehmung des Alters und die zunehmende Institutionalisierung des Lebenslaufs untersucht. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt, darunter die Rolle von Geschlecht und sozialer Ungleichheit. Beleuchtet werden auch die Entstehung von Konzepten wie dem "dritten" und "vierten" Alter und der Einfluss von politischen Ereignissen und gesellschaftlichen Veränderungen auf die Lebensläufe von Generationen wie der “Baby Boomer”.

Die weitere Kapitel thematisieren “Beliefs and Cultures”, “Population”, “Family, Community, and State”, “Labor and Leisure”, “Science, Medicine, and Health”, “Experiences of Aging” und “Artistic Representations”. Die bei Bloomsbury erscheinenden mehrbändigen Werke “A Cultural History of” bilden regelmäßig die Standardwerke in ihrem jeweiligen Themengebiet.