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Täuschend echt. Falschmeldungen und Fakes 1835-1938.

 

Eine Kooperation der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne und des Historischen Instituts

 

 

 

Konferenz | 21./22. September 2017

Anna-Maria-von-Schürmann-Raum (R. 3.229), Universität zu Köln
PD Dr. Volker Barth, Dr. Michael Homberg | Historisches Institut 

 

 

Über Genese, Bedeutung und Verbreitung von Nachrichten ist, zumal im Bereich der medienhistorischen Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts, viel geschrieben worden. Obwohl gerade für die lange Jahrhundertwende zahlreiche Untersuchungen zu Medientypen und -ereignissen vorliegen, fehlen Studien zur Entstehung, Funktion und Wirkung von Falschnachrichten und Fakes. Während die Herausbildung verbindlicher Kriterien für verlässliche Nachrichten als zentrales Entstehungselement des modernen Journalismus beschrieben wird, werden ‚falsche‘ Nachrichten zumeist als zu vernachlässigende Momente des Scheiterns abgetan.

Hier setzt die geplante Konferenz an, indem sie die medientechnischen Voraussetzungen, sozioökonomischen Rahmenbedingungen und arbeitspragmatischen Produktionsprozesse von Falschnachrichten und Fakes thematisiert. Es gilt, den Stellenwert und die Bedeutung solcher Meldungen für die Formierung des modernen Nachrichtenwesens zu untersuchen. Anhand verschiedener Medien – von den ersten Massenblättern und der Illustrierten Presse über die Anfänge des Films und des Radios – erstreckt sich der Untersuchungszeitraum von Edgar Allan Poes Hoaxes der 1830er Jahre bis zu Orson Welles‘ Hörspiel „War of the Worlds“ von 1938.

Denn dieses Jahrhundert umfasst mehr als nur die viel zitierte Entfaltung der Massenpresse. Der Siegeszug des Boulevards und die zunehmende Bedeutung von Nachrichtenagenturen resultierten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer progressiven Professionalisierung des Berufsstands von Redakteuren, Reportern und Korrespondenten. Dies führte, so die Grundannahme, erstens zur Durchsetzung formeller Qualitätsmerkmale der Prägnanzbildung und Strukturierung von Nachrichten (z.B. in Form der ‚inverted pyramid‘, Flash-Nachrichten und Schlagzeilen), zweitens zur Ausbildung nachrichtlicher Standards empirisch-faktischer Beglaubigung (z.B. Quellenangaben, Autorensignaturen und Anführungszeichen) sowie drittens zu ethischen Richtlinien der Produktion ‚wahrer‘ Nachrichten (z.B. Codes of ethics, Handbücher und ausformulierte Regelsysteme).

Im Gegensatz zu ungewollten Falschmeldungen und gezielter Propaganda bezeichnen Fakes Kippfiguren des Journalismus. Sie gelten solange als faktisch und authentisch, wie sie nicht entdeckt werden. Ihre Beschreibung als rasch zu kittende Bruchstelle des journalistischen Systems geht daher am Kern der Sache vorbei. Denn für diese besondere Form der Täuschung waren Aufdeckung und die darauf folgende Enttäuschung nicht akzidentiell, sondern konstitutiv. Fakes, zumal in ihrer avantgardistischen Inszenierung, wollten, von den Urhebern ex post dementiert, durchschaut werden. Das Oszillieren an der Grenze zwischen Fakt und Fiktion und der beständige Statuswechsel zwischen Autor, Fälscher, Entdecker, Kritiker und Künstler waren für den Fake zentral. Damit erweist sich die Ironisierung nachrichtlicher Meldungen gerade nicht als ein Phänomen der Postmoderne. Sie stellt vielmehr ein zentrales Element der Ausbildung des modernen Journalismus und der dafür notwendigen arbeitspraktischen Selbstvergewisserung dar.

Einen Schwerpunkt der Tagung bilden einerseits konkrete Fallstudien, die innerhalb des vorgegebenen Zeitraums spezifische Fakes in bestimmten Medien untersuchen. Andererseits kreist die Tagung auch um theoretisch-methodologische Überlegungen zu Ansätzen und Perspektiven einer „Fake History“ sowie um Fragen nach der Genese und dem historischen Wandel des Begriffs und des Konzepts der ‚Falschmeldung‘ und der Ästhetik und Ethik des Fälschens, Abschreibens und Kopierens. Besonders zentral sind hier Fragestellungen, die auf die ‚Intermedialität‘ von Fakes, d.h. das Zusammenspiel von Text, Foto, Film und Radio sowie deren Beglaubigungsstrategien abheben.

 

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